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Schauspieltechniken für Beruf und Alltag - Braucht man das?

  • Autor: Rebecca Messner
  • Datum: 4.05.2012

Zunächst war ich etwas skeptisch, als ich die Anmeldebestätigung vom CyberForum für den Workshop “Schauspieltechniken für Beruf und Alltag” erhielt, für den Katja uns einfach angemeldet hat. Wozu braucht man das überhaupt? Man will doch seinem Umfeld nichts vorspielen? Ehrlichkeit ist doch das A und O in zwischenmenschlichen Beziehungen! Es ging hier jedoch nicht darum, anderen etwas “vorzuspielen”, das sollte ich im Verlauf des Workshops noch feststellen.

Somit ließ ich mich einfach überraschen und ging eher ohne große Erwartungen am vergangenen Donnerstag mit Katja dorthin. Der Workshop fand im Staatstheater in Karlsruhe, in einem der Probenräume, statt. Frau Daniela Vöge, die Leiterin des Workshops, ist Diplom-Politologin, Schauspielerin, Kulturmanagerin und Theaterpädagogin (BuT). Sie war fünf Jahre Leitende Theaterpädagogin am Staatstheater in Karlsruhe und ist Lehrbeauftragte am KIT. Zunächst stellte sich jeder Teilnehmer kurz vor und tat seine Erwartungen kund. Nach der kurzen Vorstellung bat uns Frau Vöge dann alle einfach mal kreuz und quer durch den Raum zu laufen. Erst normal, dann zügig, danch sollten wir uns immer ein Ziel suchen, auf das wir zuliefen. Derweil wir so durch den Raum liefen, ohne eine wirkliche Ahnung wozu diese Übung gut sein sollte, erklärte uns Frau Vöge den nächsten Schritt. Wir sollten also weiterlaufen und auf ihr Zeichen warten. Sobald sie “Stopp” gesagt hat, sollten wir stehenbleiben, die Augen schließen und auf die Person zeigen, die sie uns an Hand eines Kleidungstückes beschrieben hat. Diese Übung war gar nicht so einfach, da man sich auf sein “Ziel” konzentriert hat und dabei nicht unbedingt auf die anderen Teilnehmer geachtet hat, wo diese stehen oder was sie anhaben. Mit der Zeit klappte die Übung allerdings auch etwas besser. Für die nächste Übung wurden wir in zwei Gruppen aufgeteil. Auch hier sollten wir wieder durch den Raum laufen. Diesmal bekam jedoch immer eine Gruppe die Anweisung stehen zubleiben, der Rest sollte weiterlaufen. Nachdem das wirklich einfach war, sollten die Gruppen selbständig stehenbleiben oder weiterlaufen. Hier musste also jeder auf seine Gruppe achten. Diese Übung war zwar wesentlich einfacher, man spürte aber auch deutlich, dass man mit der Zeit anfing wesentlich mehr wahrzunehmen als nur sein “Ziel”. Die nächste Übung wurde dann richtig spannend. Wir sollten uns vorstellen, dass sich das sich die nächste Situation an einer Bushaltestelle abspielt.Vier der Teilnehmer waren die Darsteller und der Rest Beobachter. Jeder der Darsteller sollte nun eine Person mit hohem oder niedrigen Status spielen (auf vier Stufen aufgeteilt). Nun sollten die Beobachter an Hand der Körpersprache sehen, welchen Status welcher Darsteller hat. Es war wirklich interessant, denn auch ohne das ein Wort gesprochen wurde, lagen wir mit unserer Bewertung richtig. In der nächsten Stufe wurde das nocheinmal etwas schwieriger, denn hier gab es dann fünf Stufen, somit eine “neutrale” Person. Aber auch hier konnte man das an der Körpersprache gut erkennen. Als nächstes gab es dann noch ein paar kurze Rollenspiele, die wir in Zweier-Gruppen vorführen durften. Auch hier stand die Körpersprache im Vordergrund. Besonders lustig wurde es, als sich jeder ein Fantasiewort zusammenstellen sollte, meins war “fassdeuschakratet”, und damit dann eine Szene spielen sollte. Das Wort diente dazu, um zu zeigen, dass es nicht unbedingt darauf ankommt WAS man sagt, sondern WIE und was man vorab schon durch die Körpersprache zum Ausdruck bringt.

Fazit: Mich hat der Workshop wirklich überzeugt. Ich bin mit dem Gefühl dort rausgegangen, etwas Sicherheit zu bekommen, wenn ich anderen gegenüberstehe und etwas sage. Auch ist mir bewusst geworden, wie viel wir doch durch unsere Körpersprache schon preisgeben und es dadurch unserem Gegenüber manchmal leichter oder aber auch schwerer machen uns zu manipulieren. Denn merkt mein Gegenüber, dass ich unsicher bin weil ich das durch meine Körperhaltung zum Ausdruck bringe, wird es für mich umso schwieriger mein Vorhaben rüberzubringen und davon zu überzeugen. Ich freue mich jetzt schon auf den Fortsetzungskurs im Juli und bin gespannt, was ich dort dann für mich selbst mitnehmen kann.